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Tagebuch über den Verlauf einer 50plus-Maßnahme (2)
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Themen - Initiative 50plus
Geschrieben von: Lotar-Martin Kamm   
Dienstag, 21. Oktober 2008 um 10:00
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Donnerstag, den 07. August 2008

Wir versuchen uns an der neuen Aufgabe mit den Flyern, wobei mir auffällt, dass ich weder einen Satz mit dem Esel voran schreiben werde, im Beispiel beginnt ein Satz mit „ich“, noch einen Flyer mit dem Schlagwort „Steckbrief“ beginnen werde. Meine Gestaltung wird somit wieder mal dahingehend anecken, dass ich die Vorstellung des EDV-Dozenten, wie es zu tun sei, durchbreche. Damit kann ich aber als individueller Mensch ganz gut leben. Außer dem verzweifelten Versuch seitens des Leiters, den wieder mal streikenden Drucker zu aktivieren, verläuft der Tag recht schnell. Dies allerdings nicht aufgrund des Kurses, sondern weil wir uns angeregt unterhalten.

 

Freitag, den 08. August 2008

Der „Steckbrief-Flyer“ entpuppt sich als Herausforderung, was die Textfeldmarkierung anbelangt, weil niemand im Kurs herausbekommt, wie dies der EDV-Dozent erstellt hat. Ebenso der Leiter weiß sich keinen Rat nicht mehr. Erneut zeigt sich die mangelhafte Vorgehensweise des Dozenten; wir werden im Unklaren gelassen, und der Lerneffekt ist gleich null.

Montag, den 11. August 2008

An diesem Tag bleibe ich der Maßnahme fern, weil ich meine Tochter zu einer ambulanten OP begleite. Von einer Kollegin erfahre ich abends telephonisch, dass der Leiter ihr mitgeteilt hatte, wir sollen den Flyer einfach kopieren- wo ist denn da der Lerneffekt, frage ich sie? Wir sind uns einig, dass dieser nicht nötig ist, Hauptsache die AWO kann sich mit der Maßnahme „schmücken“, und wir Betroffene fallen aus der Statistik.

 

Dienstag, den 12. August 2008

Erneutes, frisch-grinsendes Auftreten unseres jung-dynamischen EDV-Dozenten. Außer, dass eine Kollegin ihre Präsentation „wortlos“ vorträgt, ihre künstlerischen Werke sprechen für sich, geschieht nichts Neues für die Gruppe. Die Maßnahme bleibt weiterhin fragwürdig.

 

Mittwoch, den 13. August 2008

Nicht eine Präsentation findet heute statt. So ist es ebenso nicht weiter verwunderlich, dass unser Jungdozent ankündigt, es gäbe diesmal keine Aufgabe für nächste Woche, und zwar mit der Begründung, es seien ja noch viele nicht mit dem Pensum fertig geworden. Es wirkt alles weiterhin haltlos auf mich.

 

Donnerstag, den 14. August 2008

Der Leiter des Kurses fragt mich heute wie mein Befinden denn sei und ob mein in Aussicht gestellter Job bald konkrete Formen haben würde. Ich erwidere, dass ich dies noch am Wochenende geklärt haben möchte. Falls dies nicht positiv ausfallen sollte, erinnert er mich an die Möglichkeit eines zweiwöchigen Praktikums, in meinem Fall speziell innerhalb der Veranstaltungsbranche als Bühnentechniker. Ich bejahe dies grundsätzlich, lasse ihn aber wissen, dass mir ein Zeitraum von einem Tage völlig genügt, um zu wissen, ob ich den Aufgaben gewachsen bin, da ich lang genug in diesem Metier gearbeitet habe. Auch betone ich, dass ich ohne Zusicherung zur Festeinstellung ein Praktikum erst gar nicht antreten werde. Er nimmt dies leicht zerknirscht zur Kenntnis, wir würden nächste Woche weitersehen. Ansonsten geschieht heute nichts wesentliches mehr.

 

Freitag, den 15. August 2008

Weiterhin schleppt sich die Anwesenheit hin, wissend, dass eigentlich unnötige Zeit vergeht, die hier keineswegs sinnvoll genutzt wird. Der Leiter erinnert uns nicht ohne Stolz an den nächste Woche stattfindenden, zweitägigen Erste-Hilfe-Kurs. Meine Meinung dazu sollte bekannt sein.

 

Montag, den 18. August 2008

Wie in einem Wiederholungsfilm startet die neue Woche, folglich mit dem selben Prozedere der Lethargie, zu wissen, wie unnütz die Maßnahme ist. Außer vieler Gespräche mit meiner Nachbarin tut sich nichts Neues- zumindest vergeht auf diese Weise schneller als sonst die Zeit.

 

Dienstag, den 19. August 2008

Unser Jungdozent ist heute wieder voller Tatendrang unterwegs. Es werden mehrere Präsentationen vorgeführt, u.a. stelle auch ich mich diesem Thema und zeige die meinige.

Am Ende hinterfragt er, ob wir nochmals in Excel „eintauchen“ sollten, viele im Kurs hätten noch genug Lücken. Er kann es nicht sein lassen, zu betonen, dass zwei, drei Teilnehmer wohl schon firm seien, wobei er mich dabei grinsend namentlich erwähnt. Ob ich noch Ideen oder Vorschläge dazu hätte, fragt er, was ich allerdings lächelnd verneine, wissend, dass dies ohnehin denjenigen, die Excel nicht kennen, nicht viel helfen wird, aus dem einfachen Grund, weil dazu die Zeit nicht ansatzweise ausreicht.

 

Mittwoch, den 20. August bis einschließlich Freitag, den 22. August 2008

Krankheitsbedingt fehle ich in diesem Zeitraum, so dass ich darüber leider nicht berichten kann.

 

Montag, den 25. August 2008

Heute stellt sich eine neue Mitarbeiterin vor, nicht nur, weil der Leiter für eine Woche im Urlaub sein wird, sondern auch darüber hinaus. Sie wird uns im Bereich des Bewerbens coachen. Wir stellen uns diesmal, wie sie es vorschlägt, mal anders vor, in dem zugeordnete Partner uns selbst vorstellen und wir wiederum sie/ihn. Soll ein origineller Vorschlag sein, der allerdings nicht so dolle ankommt. Auch heute erlebe ich eine weiterhin berechtigt anhaltende Kritik zur Maßnahme selbst. Wir alle sind weiterhin äußerst skeptisch und lassen dies auch die „Neue“ spüren. Sie nimmt es gelassen und reagiert letztlich ihrer pädagogischen Rolle gerecht werdend, in dem sie auf „positiven Aktionismus“ setzt.

 

Dienstag, den 26. August 2008

Der EDV-Dozent ist erkrankt, wie wir von der Vertretung erfahren. Sie ist noch sehr jung, selbst ALG-II-Empfängerin und absolviert bei der AWO einen Ein-Euro-Job.

Dabei versucht sie mit Hilfe eines autoritären Tones sich Gehör zu verschaffen. Unmut macht sich breit in der Gruppe, manche lachen sie sogar aus. Pädagogisch betrachtet ist ihr Verhalten ein Eigentor und absolut lächerlich. In der Sache lässt sie dadurch uns spüren, wie die AWO über uns denkt; sie wird letztlich unbewusst deren Sprachohr. Ich werde somit mal wieder bestätigt, was mein Wissen um die Machenschaften der „neuen Helfer-Lobby“ anbelangt.

 

Mittwoch, den 27. August 2008

Die junge Frau wird heute ziemlich schnell überdeutlich von einem Teilnehmer lautstark zurechtgewiesen, nachdem sie erneut im Befehlston sich vergreift. Der gesamte Kurs bestätigt seine Reaktion als folgerichtig, während sie schockiert den Raum verlässt. Von da ab unterlässt sie es tunlichst, ihren Ton zu wiederholen. Gleichzeitig stellt sie die Behauptung auf, er würde sich des öfteren lautstark beschweren. Wir geben ihm zu verstehen, dass diese Unterstellung bei Bedarf unsererseits geklärt wird, falls ihm dies nachteilig ausgelegt werden soll. Einmal mehr zeigt sich die „Hilflosigkeit“ dieser „staatlichen Verordnung“, die nur eines reell im Sinn hat: die Statistik zu schönen !!!

 

Donnerstag, den 28. August 2008

Die Bewerbungs-Coacherin ist heute wieder zugegen und gibt der Gruppe eine neue, kostenlose Bewerbungsplattform bekannt, wo wir ein Inserat setzen sollen. Wir üben uns im Textschreiben, uns selbst zu präsentieren. Für die meisten ist dies tatsächlich schwierig. Ich hingegen widme mich bereits nach einer knappen halben Stunde wieder dem Internet und surfe dortigst herum. Sie hinterfragt noch, was denn gestern vorgefallen sei und betont dabei, dass wir, bevor unnötige „Spannungen“ entstehen, mit ihr darüber kommunizieren sollen, nachdem ich ihr sehr deutlich die gestrige Entgleisung des Mädchens geschildert habe.

 

Freitag, den 29. August 2008

Außer intensiver Gespräche mit meinen unmittelbaren Nachbarn, geschieht heute nichts Bewegendes. Die Bewerbungs-Coacherin versucht zwar „ihre Ordnung“ uns zu vermitteln, in dem sie uns eigens entworfene Exceltabellen mitgibt, die auszufüllen sind mit Informationen über unseren Bewerbungsstand. Längst vergessene Schulgefühle werden geweckt, auch erzeugen diese Tabellen bei manch einem bestimmt das Gefühl der Bevormundung, als ob wir nicht in der Lage wären, uns selbst zu organisieren. Mit Unmut geht es daher ins Wochenende.

 

Montag, den 01. September bis Dienstag, den 09. September 2008

Krankheitsbedingt fehle ich in diesem Zeitraum. Allerdings habe ich durch den Kontakt zu meinen Nachbarn erfahren dürfen, dass der Kursteilnehmer, der völlig berechtigt sich über die junge Frau beschwert hat, aus dem Kurs genommen wurde. Weitere Hintergründe weiß niemand, da der Leiter dies verschweigt. Wir werden aber dies unbedingt hinterfragen !

An dieser Stelle möchte ich betont wissen, dass „dieses Schweigen“ in keinem Verhältnis zur laxen Haltung mit unseren PC-Daten steht. Denn einige im Kurs können ohne weiteres die Lebensläufe anderer Kursteilnehmer einsehen; somit wird mit Datenschutz seitens der AWO hochgradig schlampig verfahren !
Am Dienstag werden die Frauen des Kurses mit dem AWO-Bus zum Arbeitsamt Neuwied gekarrt, um sich dortigst einem Vortrag über die weltbewegenden Vorur...äh Vorteile der 50plus -Maßnahme anzuhören. Wie ich tags darauf erfahre, entspricht er meiner Vorstellung von der Unsinnigkeit solch undurchdachter Versuche.

 

Mittwoch, den 10. September 2008

Ins Internet können wir heute nicht, was übrigens gestern bereits der Fall gewesen sein soll, wie ich von meinem Nachbarn erfahre. Dafür erhalte ich mehrere PC-Aufgaben, die mich an Grundschulzeiten erinnern. Weiterhin bestätigt mich der EDV-Dozent dahingehend, wie unsinnig die Maßnahme sich weiterhin gestaltet. Daher nutze ich die Zeit, um meinem Erfindungsgeist freien Lauf zu lassen, in dem ich ein hochpolitisches Märchen entwerfe und per Präsentation gestalte.

 

Donnerstag, den 11. September 2008

Unsere Coacherin erscheint nicht, aber der Leiter vertritt sie und gibt uns nach der Kaffeepause eine neue Aufgabe. Wir sollen einen Vortrag mit einer Präsentation halten, über die Aufgabenverteilung eines Praktikanten, wenn dieser uns vertreten soll.

Die meisten entscheiden sich für eine Powerpoint-Präsentation. Ansonsten bleibt die Stimmung angespannt, in dem viele höflich lächelnd dem Leiter begegnen; die Gedanken in den Augen mancher sind mir gut bekannt.

 

Quelle: http://www.elo-forum.net/hartz-iv/hartz-iv/-200810202023.html

 

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